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Die Askanier

Seit uralten Zeiten wird das Gebiet der großen Heide Werbellin als eines der größten Jagdgebiete Deutschlands bezeichnet. Pate für die Namensgebung stand der Werbellinsee, um den sich dichte Waldungen zogen.

Die große Heide Werbellin wurde nach und nach in die Altenhofer-, Biesenthaler-, Grimnitzer-, Kiehn-, Liebenwalder-, Pechteicher-, Reiersdorfer-, Schönebecker- und Zehdenicker Heide unterteilt.

Das Wort »Heide« ist eigentlich für dieses Gebiet nicht zutreffend, denn hier handelt es sich um ein geschlossenes Waldgebiet. Mit der Besiedlung aus dem westlichen Niederdeutschland legte sich diese mundartliche Bezeichnung nach und nach auch auf das Waldgebiet. Ähnlich verhält es sich mit der Bezeichnung »Schorf«. Der Ursprung ist aus dem althochdeutschen Wort »scorf« abgeleitet und bedeutet so viel wie raues, feuchtes, mit Gestrüpp bewachsenes Gebiet. Daraus entstand der uns heute bekannte, geografische Name »Schorfheide».

Der erste urkundliche Beleg zum Namen Schorfheide findet sich im Erbregister für das Kloster Himmelpfort vom 27. September 1574 und beschreibt ein Gebiet in der Nähe der Ortschaften Görlsdorf und Röddelin als »Kleine Schorfheide«. Erst im 17. Jahrhundert, am 14. November 1672 , finden wir den Namen Schorfheide in der unmittelbaren Nähe des Werbellinsees erwähnt. In einem Brief des Oberjägermeisters an den Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. (1620/1640-1688) heißt es unter P.S.:

»Jetzt gleich kommt der Heidereiter von Schönebeck zu mir und berichtet, dass all da, im Liebenwaldischen, Zehdenickschen und Grimnitzschen die Wilddiebe großen Schaden täten; auch waren allein in Grimnitz 5 Hirsche gefunden, auch anderen Ortes mehr, dass Wildbret, wenn sie Zeit haben begraben sie und nehmen nur die Häute, uf der Schorfheide hat der Heidereiter 2 Wilddiebe gesehen [...]«

Ist die Wortdeutung »Schorf«, wie erwähnt, richtig, so ist damit das schmale und feuchte Wiesengebiet westlich des Werbellinsees gemeint, etwa von dem heutigen Wildau über die Badestelle Spring bis zum privatisierten Jagdhaus der ehemaligen Reichspräsidenten Friedrich Ebert (1871/1919-1925) und Paul von Hindenburg (1847/1925-1934). Später entstand für dieses Gebiet, als das Jagdschloss Hubertusstock erbaut wurde, der Begriff »Engere Schorfheide« und bezeichnete damit das eigentliche, ursprüngliche Jagdgebiet.

 


 

III 1 Bild2 Otto-IV 

(Markgraf Otto IV. von Brandenburg trug den Beinamen „mit dem pfile“. Er wurde bei der Belagerung von Staß an der Bode am Kopf von einem Pfeil getroffen und ließ diese Pfeilspitze – aus Misstrauen gegenüber den Ärzten – ein Jahr lang in der Wunde. Bild: Markgraf Otto IV. in der Liedersammlung Codex Manesse, um 1300.)

 

Hintergrundinformation:

„Für die Askanier wurden in der Schorfheide die Burgen Werbellin, Grimnitz und Groß Schönebeck zu ihren bevorzugten Aufenthaltsorten. Eine herausragende Bedeutung erlangte für die Markgrafen im 13. Jahrhunderts die Burg Grimnitz im heutigen Joachimsthal. Otto IV. (1238/1267–1308), der ‚mit dem Pfeile‘, nutzte Grimnitz beispielsweise häufig als Ausgangspunkt für seine Jagden. Den Beinamen ‚mit dem Pfeile‘ erhielt Otto aufgrund einer ihm über längere Zeit im Kopf steckenden Pfeilspitze. Der Markgraf war selbst Minnesänger und soll jede Gelegenheit genutzt haben, ‚um dem Schild mit dem roten Adler Achtung zu verschaffen‘ . Zwangsläufig wurden bei solchen Aufenthalten der Markgrafen auf den Burgen neben der ‚Hohen Jagd‘ auch Staatsgeschäfte erledigt, Amtshandlungen vorgenommen, politische Entscheidungen getroffen, Verhandlungen geführt und Festlichkeiten etwa im Rahmen von Ritterturnieren veranstaltet.“

 

Quelle:
Burghard Ciesla/Helmut Suter: Jagd und Macht. Die Geschichte des Jagdreviers Schorfheide, Berlin 2011, S. 14.

Bildnachweis: bpk

 


 

III 5 Bild2 Wolfsjagd

 

Hintergrundinformation:

„Die Errichtung des Wildzauns hing aber auch mit dem Problem der Wolfsplage zusammen. Der von den Wolfsrudeln bei den Nutztieren der Bauern angerichtete Schaden war groß und immer wieder existenzbedrohend. Im Jahr 1663 erging deshalb für die Schorfheide die kurfürstliche Anweisung, dass in Schönebeck von den Bewohnern verschiedener Schorfheidedörfer ein Wolfsgarten zu bauen sei. Generell wurde die Landbevölkerung auch zum Anlegen von Wolfsgruben oder ‚Luderplätzen‘ mit verendeten Ziegen oder Schafen zum Anlocken der Wölfe aufgefordert. Städte und Dörfer unterlagen der Pflicht, Jahr für Jahr am sogenannten ‚Wolfsjagdlaufen‘ teilzunehmen. Dies wurde mit der Zeit als sehr lästig empfunden, da Treiber oft für mehrere Tage bei Wind und Wetter durch die Wälder laufen mussten. Hinzu kam, dass sich jeder Treiber selbst mit Proviant zu versorgen hatte. Als Bewaffnung waren lediglich Mist- und Heugabeln, Spieße und Knüppel erlaubt. Diese spezielle Form der organisierten Wolfsjagd wurde in der Regierungszeit des Großen Kurfürsten geschaffen und bis Anfang des 18. Jahrhunderts immer mehr verfeinert. Es entstanden sogenannte „Wolfszeuge“ – aus heutigern Sicht entfernt mit einer Katastrophenschutzorganisation oder Feuerwehr vergleichbar –, die sich aus dem Jagdpersonal, den Treibern, dem ‚Wolfsjagdzeug‘ (Netze, Leinen, Lappen) und den dazu notwendigen Wagen mit Pferden zusammensetzten. Am Ende des 17. Jahrhunderts gab es in der Mark Brandenburg insgesamt 18 solcher ‚Wolfszeuge‘ mit rund 300 Wagen und mehr als 1.200 Pferden. Wie viele Wölfe in der Mark Brandenburg im 17. Jahrhundert zur Strecke gebracht wurden, ist nicht vollständig bekannt. In der Prignitz wurden zwischen 1653 und 1696 insgesamt 2.307 Wölfe getötet. Aus den Wäldern der Altmark Brandenburgs war der Wolf am Ende des 18. Jahrhunderts weitgehend verschwunden. In Kursachsen wurden zwischen 1611 und 1717 in Summe 6.937 getötete Wölfe registriert. In Ostpreußen, Pommern und Brandenburg erreichte der Ausrottungsfeldzug gegen den Wolf dann in den 1820er und 1830er Jahren seinen Höhepunkt.“

Quelle:
Burghard Ciesla/Helmut Suter: Jagd und Macht. Die Geschichte des Jagdreviers Schorfheide, Berlin 2011, S. 28-29.

 


 

III 5 Bild3 Wolfseisen

(Großes Wolfseisen und Schnellschlinge, um 1650.)

 

Bildnachweis:
Arthur Berger, Die Jagd aller Völker, Berlin 1928, S. 328. 

 


 

 III 1 Bild1b Askanierturm

 

Askanierturm-2

(Der Askanierturm am Werbellinsee, 2011.)

 

Bildnachweis: Gemeinde Schorfheide

 


 

Die landschaftliche Schönheit, Ruhe und Erholsamkeit ließen sich nicht nur Forstbeamte und das Herrscherhaus angedeihen, auch andere Persönlichkeiten fanden den Weg in die Schorfheide. Schon nach 1815 erholten sich Gebhard Leberecht von Blücher, Fürst von Wahlstatt (1772-1819) und Staatskanzler Karl August Freiherr von Hardenberg (1750-1822), bei Jagdausflügen, hier in der Region. Es war der starke Bestand an Rotwild, der den Mythos dieses Gebietes über seine Grenzen hinaus verbreitete. Er ist es, der den Nimbus des größten Rotwildgebietes, entstehen ließ.

Die sonnigen herbstlichen und winterlichen Naturgegebenheiten ließen manch starre Fürsten- und Diplomatennatur milder werden. Der besondere Reiz alter Baum- und der Anblick reichlicher Wildbestände sollte mögliche protokollarischen Hemmschwellen beseitigen helfen.

Je nach Aufenthaltsdauer des Gastes wurden entweder die Hofjagdreviere Grunewald, Letzlingen oder die Schorfheide ausgewählt. Am Rande solcher Jagden fanden sich dann immer Gelegenheiten, um mit dem Gast ins Gespräch zu kommen. Manch eine politische Entscheidung, die später in Europa ihre Auswirkung fand, wurde in der Schorfheide diskutiert oder entschieden. Erinnert sei nur an die Krim Krise unter König Friedrich Wilhelm IV. Die Auswir-kungen der Revolution von 1848 oder die Einigungskriege von 1864, 1866 und 1870.

 

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